Der Waldboden, den Jeff Lowenfels in Teaming with Microbes beschreibt, ist ein Archiv mit klaren Etagen. Ganz oben die L-Schicht aus frischer Streu mit Pilzhyphen zwischen halb erkennbaren Blättern. Darunter die F-Schicht, in der Fermentation, partielle Zersetzung, Milchsäurebakterien und Actinomyceten arbeiten. Darunter folgt die H-Schicht aus stabilem Humus mit bakterieller Dominanz. Den Abschluss bildet der Mineralboden, in dem Kationen wandern und Wurzeln den Stickstoff abholen, dessen Versorgung in den oberen Schichten noch nicht angekommen wäre.
Jede dieser Zonen unterhält eine eigene mikrobielle Gemeinde, einen eigenen pH-Bereich, eine eigene Wasserhaltekapazität. In den obersten Zentimetern dominieren Pilze, weil dort Streu für Substrat sorgt und der Sauerstoff stimmt. Mit zunehmender Tiefe verschieben sich die Verhältnisse, und Bakterien übernehmen die mikrobielle Hauptrolle. Diese Verteilung ist über geologische Zeiträume ausgehandelt und gehört zur Funktionsweise eines Bodens.
Ein gemischtes Substrat zerstört diese Funktionsweise vom ersten Wassergang an.
Eine Mykorrhiza-Population, die sich in einer bestimmten Tiefe einrichten würde, sitzt nach dem Mischen gleichmäßig in einem strukturlosen Volumen. Pilze, die für ihre Arbeit Grenzflächen brauchen, liegen begraben. Anaerobe Zonen, die unten entstehen würden, werden vom Mischvorgang durchoxidiert. Was übrig bleibt, ist ein Substrat ohne Gradient, dessen mikrobielle Gemeinschaft ihre Spezialisierung aufgibt.
Lowenfels schreibt über die Nischen der Bodenorganismen. Die Zonierung gehört zum Betriebssystem eines Bodens und liegt nicht als Nebenprodukt der Schwerkraft daneben.
Seit der achten Saison mische ich mein Substrat nicht mehr durch, sondern lege es in Etagen. Mein aktuelles 118-Liter-Beet ist der Querschnitt dieser Praxis.
Unten: Drainage und Sauerstoff
Die unterste Schicht besteht aus Lavagestein, Bimstein, grobem Basalt und Zeolith in grober Körnung. Substrat im engeren Sinn ist davon nichts. Die Funktion der Schicht ist strukturell. Wasser läuft hindurch, Luft bleibt im Volumen. Aerobe Bakterien und Pilze finden hier Bedingungen, die in einem verdichteten Substrat nicht entstehen würden. Der Kationenaustausch dieser Schicht liegt niedrig, weil ihre eigentliche Aufgabe im Durchlass liegt.
graph TD A[Mulchschicht] -->|Schutz und Habitat| B[Top-Schicht] B -->|Fischmehl und Alfalfa| C[Mineralisierung] C -->|Nährstofffluss| D[Wurzelraum] D -->|Mykorrhiza-Inokulat| E[Feinwurzelnetz] E -->|Wasseraufnahme| F[Drainageschicht] F -->|Sauerstoff| G[Aerobe Mikroben]Schichtaufbau steuert Nährstofffluss und Wurzelentwicklung
Mitte: Wurzelraum und Mykorrhiza
Darüber folgt die Erdebasis aus einer Kombination von Frux, Patzer Green Container und Green Topf. Zwischen die Lagen kommt Mykorrhiza-Inokulat an den Punkten, an denen die Feinwurzel hinwachsen wird. Das Material wird nicht eingearbeitet, sondern in einzelnen Häufchen abgelegt.
Terralba Mykorrhiza (FR)
Aus dem Süden Frankreichs. Xaver führt das Sortiment, ich vertraue blind.
Ansehen →Dynomyco Mykorrhiza-Inokulum
Mein Standard-Inokulum wenn Terralba nicht greifbar ist.
Ansehen →Über der Erdebasis liegt das Klaasmann Kräutersubstrat mit feinerer Struktur und besserer Kapillarität. Diese Schicht trägt das dichte Feinwurzelnetz, das sich im mittleren Drittel des Beetes entwickelt. AM-Mykorrhiza, Regenwürmer und eine gemischte mikrobielle Gemeinschaft arbeiten hier zusammen. In dieser Mittelschicht passiert die Haupt-Mineralisierung, in der das Soil Food Web sitzt, das den Großteil der Saison trägt.
Oben: Aktivierung und Freisetzung
Die Top-Schicht ist meine Hottest Layer. Reishülsen, Alfalfa, Fischmehl, Shrimpmehl und eine Mineralmischung liegen trocken aufgelegt auf der Mitte, ohne Einmischung. Die erste Wässerung aktiviert eine Mineralisierung von oben nach unten, wie es ein Regenereignis in einem Waldboden täte. Die Freisetzung läuft schnell, die Mikrobenaktivität steigt sichtbar an, und die oberen Wurzeln stehen direkt am Eingangsbereich der Nährstoffe.
Trichoderma findet in dieser Schicht ihre idealen Bedingungen. Feuchte, organische Substanz und Kohlenstoffquellen liegen direkt verfügbar. Trichoderma arbeitet an Grenzflächen, von denen die Top-Schicht reichlich anbietet.
Mulch: die Haut des Beetes
Zuoberst kommt der Mulch aus getrockneten Kräutern und Reishülsen. Er schützt die Bodenoberfläche vor Austrocknung und UV, reguliert die Temperatur der Top-Schicht und schafft Habitat für Springschwänze. Die Collembola fressen Pilzhyphen und steuern damit die Sporenverteilung, die ein gesundes Beet über die ganze Saison trägt. Ohne Mulchschicht bricht die Aktivität der oberen Etagen innerhalb weniger Tage ein.
Wurmhumus (Wurmwelten)
Bioaktive Humine plus PGPR plus mikrobielle Diversität. Das Gegenstück zu Leonardit-Pulver.
Ansehen →Springschwänze sind dabei kein Bonus, sondern das Scharnier zwischen Mulchabbau und Mineralisierung in der Schicht darunter.
Was Schichtung im Beet bedeutet
Die Stratifikation des Beetes ist die räumliche Übersetzung eines Prinzips, das Lowenfels in Teaming with Microbes auf wenige Zeilen bringt. Boden ist von Natur aus stratifiziert. Eine gärtnerische Praxis, die diese Stratifikation respektiert, arbeitet im Sinne des Soil Food Web und wird in jeder Saison mit weniger Korrekturaufwand zu denselben Ergebnissen kommen wie ein homogenisiertes Substrat bei kontinuierlicher Nachsteuerung.
Die Wurzel hat keinen Einfluss darauf, was das Substrat ihr anbietet. Sie wächst dort weiter, wo sie findet, was sie braucht. In einem geschichteten Beet trifft jede Wurzelzone auf ein eigenes Angebot. Eine grobe Drainageschicht für aerobe Mikroben, ein Wurzelraum mit Mykorrhiza-Häufchen, eine obere Etage mit schneller Nährstoffverfügbarkeit. Ein gemischtes Substrat liefert ihr in jeder Tiefe denselben Durchschnitt.
Nach der zweiten Saison hat sich das Volumen meines Beetes gesetzt und die Schichtgrenzen sind nicht mehr sichtbar. Die Gradienten zwischen den Etagen bleiben dem Regenwurm trotzdem als Orientierung erhalten.